Impulse für Pädagoginnen und Pädagogen

Seit fast 25 Jahren arbeite ich im Bereich Gewaltprävention und Konfliktberatung an Schulen und Kitas im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich zahlreiche Menschen trainiert und Fortgebildet.

In regelmässigen Abständen möchte ich Ihnen hier Erfahrungen, Anregungen und Impulse für Ihre pädagogische Arbeit anbieten.

Viel Spaß beim lesen und viel Sonne ☀️

Ronnie Wellnitz

 

Thema: Provokationen und Beleidigungen

In meiner über 20-jährigen Tätigkeit als Dozent für Gewaltprävention und Konfliktkommunikation habe ich oft zum Thema Beleidigungen und Provokationen gearbeitet. 
 
Die Fragen, die sich dabei stellen, sind vielfältig: Wie reagiert man am besten auf Beleidigungen? Warum treffen sie uns? Was bezweckt der/die Aggressorin?
 
Die Motivation hinter Beleidigungen ist oft vielschichtig, teils bewusst, teils unbewusst. Häufige Gründe sind:
 
Provozieren: Beleidigungen dienen oft dazu, jemanden wütend zu machen oder aus der Reserve zu locken. Ziel kann es sein, eine Rechtfertigung für körperliche Gewalt zu schaffen.
 
Verletzen: Manche Beleidigungen zielen darauf ab, Schmerz zu verursachen, insbesondere wenn sie persönliche Schwächen oder das Aussehen betreffen. Wiederholte gezielte Beleidigungen können ernsthafte psychische Folgen haben.
 
Status heben: Beleidigungen können auch ein Mittel sein, um den eigenen Status in einer Gruppe zu erhöhen, indem man sich sprachlich oder körperlich überlegen zeigt.
 
Wut oder schlecht verpackte Kritik: Manchmal sind Beleidigungen spontane Reaktionen auf eine Grenzüberschreitung, etwa als Antwort auf Spott oder Hänseleien.
Das Feld der Beleidigungen ist komplex und erfordert viel Aufklärung und Vermittlung. Nicht alle Beleidigungen sind böswillig gemeint; manche sind unbedachte Äußerungen oder werden von den Betroffenen nicht als solche wahrgenommen.
 
Ein Beispiel: Eine Lehrerin nannte einen Schüler mit dunklerer Hautfarbe „Schokodrop“ als Kosenamen. Der Junge äußerte später, dass er diesen Namen nicht mochte, da er auch von anderen zum Ärgern verwendet wurde. Die Lehrerin war bestürzt, als sie das Ausmaß ihres „Kosenamens“ erkannte.
 
Wie Pädagogen/innen mit dem Thema Beleidigungen arbeiten können:
 
Beleidigungen entmystifizieren und aufklären: Es ist entscheidend, dass wir Beleidigungen ihrer Macht berauben, indem wir sie entmystifizieren. Das bedeutet, den Inhalt und die Absicht hinter den Worten zu beleuchten. Warum wurde dieses spezielle Wort gewählt? Was soll damit ausgedrückt werden? Indem wir den Schüler*innen helfen, die Mechanismen hinter den Beleidigungen zu verstehen, entziehen wir ihnen ihre verletzende Kraft.
 
Nicht provozieren lassen und Verständnis fördern: Kinder sollten lernen, sich nicht von Beleidigungen provozieren zu lassen. Das ist leichter gesagt als getan, aber es ist ein wichtiger Schritt. Hierbei geht es darum, zu verstehen, warum der*die andere beleidigt. Was steckt hinter dieser Aggression? Oft ist es ein Ausdruck von Unsicherheit, Angst oder Frustration. Wenn wir dies begreifen, können wir empathischer reagieren und die Situation entschärfen.
 
Über die Folgen von Beleidigungen aufklären: Es ist unerlässlich, dass Schülerinnen die langfristigen Auswirkungen von Beleidigungen und Erniedrigungen verstehen. Beleidigungen können tiefe emotionale Wunden hinterlassen und das Selbstwertgefühl nachhaltig beeinträchtigen. Diese Erkenntnis kann dazu beitragen, dass Schülerinnen verantwortungsvoller mit ihren Worten umgehen und die Gefühle anderer respektieren.
 
Indem Sie als Pädagogen/innen diese Themen offen und ehrlich ansprechen, schaffen wir ein Umfeld, in dem Respekt und Verständnis gedeihen können. 
 
Es geht nicht nur darum, Konflikte zu vermeiden, sondern auch darum, ein tieferes Verständnis für die Dynamiken menschlicher Interaktionen zu entwickeln. 
 
So können wir unseren Schüler/innen helfen, nicht nur in der Schule, sondern auch im Leben außerhalb kompetent und empathisch zu agieren.
 
In diesem Sinne, 
 
Beste Grüße und viel Sonne ☀️ 
 
Ronnie Wellnitz